Bienenkönigin

Das geheimnisvolle Parfum der Bienenkönigin.

20.000 Bienen hält die Bienenkönigin spielend in Schach. In Begleitung von dumpf brummenden Drohen, unerfahrenen Jungbienen, staatstragenden Arbeiterinnen aber auch streitbaren Amazonen bricht sie in unbekanntes Land auf um ein neues Reich zu gründen. Selbst im Flug dirigiert sie souverän das riesige Volk, macht es folgsam und gefügig. Ihr Geheimnis ist ein unwiderstehliches Parfüm, um das sie so manch irdische Regentin wohl beneidet.

Zu Schwärmen bedeutet für Bienen mehr als nur einen Tapetenwechsel. Meist ist diese Jahreszeit für den Imker eher stressig und arbeitsaufwändig. Für die Bienen aber ist das Schwärmen aus evolutionsbiologischer Sicht ein lebensnotwendiger Verjüngungs- und Vermehrungsprozess.

Wie jedes Jahr im Frühling beginnen unsere Honigbienenvölker wieder zu schwärmen. Manche früher, manche später, einige gar nicht. Das hängt ganz vom Charakter des jeweiligen Volkes ab. Genauer gesagt von der Königin. Manche sind eher häusliche Typen und konzentrieren sich fast das ganze Jahr aufs Honigsammeln. Andere sind expeditionslustiger und nützen schon die erste Gelegenheit um in neue Gefilde aufzubrechen. Imker nennen diese Völker auch gerne „Schwarmteufel“, da ihr naturgegebener Schwarmtrieb trotz aller Bemühungen des Imkers nicht zu bändigen ist.

So passierte es auch gestern am frühen Vormittag – im Zuge einer der regelmäßigen „Schwarmkontrollen“, bei der Astrid und ich versuchen, die einzelnen Bienenvölker behutsam im Zaum (und im Bienenstock) zu halten. Nur 5 Meter neben uns am Bienenstand gab in einem benachbarten Stock die Bienenkönigin, scheinbar als trotzige Anwort auf unser Tun, das Signal zum Aufbruch. Aus dem anfänglich verhaltenen und ruhigen Summen wurde ein moderates Brausen, das sich zum einem furiosen Rauschen zehntausender flügelschlagender Individuen steigerte.

Ein beindruckendes Schauspiel, umso mehr, wenn man sich mitten in einer rotierenden Wolke aus Bienen befindet.

Ein Schwarm geht ab!

Ein hypnotisierendes Schneegestöber aus brummenden, dunklen Flocken kreiste einige Zeit über unsere Köpfe. Zusammengehalten durch den Duft der Bienenkönigin. Um nur einige Minuten später, und einen Steinwurf weit entfernt von seiner alten Behausung einen Sammelpunkt anzufliegen. Erneut gab die Bienenkönigin das Signal zum Sammeln.

Mit ihrem einzigartigen, royalen Parfum schafft sie es, eine vielleicht 25 bis 30 Meter im Durchmesser messende, chaotisch scheinende Wolke aus geschätzt 20.000 Bienen punktgenau zu dirigieren. Und auch den neuen Sammelpunkt markiert sie mit Ihrem Duft, dem die Arbeiterinnen und Drohnen scheinbar willenlos folgen.

Das „Parfum“ ist ein individueller Mix aus körpereigenen Duftstoffen (Pheromonen). Jede Bienenkönigin hat dabei ihre eigene, ganz individuelle Duftnote. Die Arbeiterinnen sind von Geburt an auf diesen Duft geprägt und bleiben so in der Regel ein ganzes Bienenleben lang treue Gefährtinnen.

In diesem speziellen Fall entschied sie ein kleine Fichte mit einem mehrere Zentimeter dicken Bienenpelz überziehen zu lassen – und das vom Boden weg bis in etwa 2 Meter Höhe.

Die Fichte im Bienenpelz! Ein neues Zuhause war gefunden – aber nur vorerst!

Wenn  Bienen schwärmen und sich wie hier z. B. auf einem Baum niederlassen, ist dies nur der erste Schritt in einem oft tagelang andauernden Prozess. Ab nun werden Kundschafterinnen in alle Himmelsrichtungen ausgesandt, um das perfekte neue Zuhause zu finden.
Beeindruckende Verhaltensanalysen haben gezeigt, dass dabei mögliche neue Behausungen genauestens vermessen und auf Brauchbarkeit analysiert werden. Die Volumina passender Baumhöhlen werden im Flug vermessen, die Größe des Einfluglochs auf wenige Quadratzentimeter genau geprüft und die Witterungsfestigkeit analysiert – und das sind nur einige wenige jener Parameter, die für das ganze Volk in Zukunft zu einer Frage des Überlebens werden können.

Diese Informationen werden von speziellen Kundschafterinnen gesammelt und an den Schwarm zurückgemeldet, und zwar in der Bienensprache – dem Schwänzeltanz. Im unten angefügten Video sieht man eine sich wiederholt im Kreis bewegende und schnell schüttelnde Biene. Sie vollzieht den Schwänzeltanz um an ihre Kolleginnen wichtige Informationen weiterzugeben.

„Ich sag es dir durch den Tanz“ – Bienen kommunizieren hier untereinander mit einer hochkomplexen und sich wiederholenden Reihenfolge aus Bewegungen.

Zurück zum Schwarm!

Als Imker steht man nun vor der Herausforderung die Bienen möglichst behutsam wieder in eine Behausung zurückzubringen. Leider bringt es gar nichts, Bienen auswildern zu lassen,  da sie in der Natur kaum eine Chance hätten den nächsten Frühling zu erleben. Ein Hauptgrund dafür ist die in den frühen 80er Jahren aus Asien eingeschleppte Varroamilbe. Sie bringt meist schon im Herbst jedem Bienenvolk den sicheren Tod. Das zu verhindern, ist wahrscheinlich die schwierigste aber auch wichtigste Aufgabe jedes Imkers.

In diesem Fall haben wir uns dazu entschieden, den Bienen einfach eine bereits fertig ausgebaute Wabe mit frischem Honig vor die Nase, besser gesagt Fühler zu hängen. Einem so einladenden und komfortablen Fertigappartment kann keine Biene widerstehen. Nur wenige Minuten später ist ein beträchtlicher Teil des Volkes auf die Wabe gewandert. Und mit ihm auch die Bienenkönigin. Und damit hatten wir schon gewonnen.

 

Die Bienenkönigin beginnt mit ihrem Volk auf die Wabe zu kletternabe
Dieser Verlockung kann keine Biene widerstehen – eine Wabe mit frischem Honig ist sicher wesentlich gemütlicher als der kahle Baumstamm.
Bienen auf der Wabe
Nur wenige Minuten später hatte die Bienenkönigin mit einem Teil Ihrer Gefolgschaft das neue „Appartement“ bezogen.

Mit dieser Vorgangsweise gibt es beim Einfangen des Schwarms kaum Streß für die Bienen. Es ist kein Abschlagen, kein Besprühen mit Wasser und kein stressiges Abkehren notwendig. Diese Wabe wird nun einfach in das neue Zuhause gehängt, und damit liegt das Lebenszentrum des Volkes im neuen Bienenstock. Eine Information, die sich faszinierenderweise in sekundenschnelle mit Hilfe von Pheromonen durch den Rest des Schwarmes bis hinauf in den Baumstamm spricht.

Die Prozession – im Gänsemarsch laufen die Bienen freiwillig in die neue Wohnung

Die Bienen beginnen zu „sterzeln“ , d.h. die Bienen heben Ihren Hinterleib an und schlagen stark mit den Flügeln. Dadurch verbreiten sie mithilfe von Pheromonen die Nachricht: Die Bienenkönigin ist hier – alle herkommen!

„Sterzelnde“ Bienen zeigen Ihren Artgenossinnen den richtigen Weg.

Nachdem sich das komplette Expeditionskommando nach dem abenteuerlichen Ausflug, der insgesamt gute 2 Stunden gedauert hat, wieder im neuen Stock versammelt hatte, mussten wir noch für die perfekte Inneneinrichtung sorgen.

Vor Einbruch der Dunkelheit wurden deshalb noch 2 weitere Waben und eine mit frischem Honig gefüllte Futterwabe in den Stock gegeben. Wärmeschiede an der Aussenseite des Bienennestes sichern ein perfektes, wohlig warmes neues Zuhause. Und sorgen hoffentlich auch dafür, dass unser „Schwarmteufel“ nicht auf falsche Gedanken kommt.

Bienentraube
Ohne „Inneneinrichtung“ heften sich die Bienen traubenförmig an den Deckel der Holzzarge.
Bienenschwarm in Zarge
Während es sich die Bienenkönigin bereits auf der Honigwabe gemütlich gemacht hat, inspiziert ihre Gefolgschaft genauestens die neue Wohnung.
Einrichtung des neuen Bienenstocks
Zur Verpflegung für die ersten Tage gibt es einige Kilogramm Honig.
Bienenschwarm in der Zarge
Der Imker als Innenarchitekt – seitliche Wärmeschiede begrenzen den zukünftigen Brutbereich und helfen den Bienen den Wärmehaushalt zu optimieren.

Über Nacht konnten sich die Bienen von dieser gehörigen Aufregung wieder beruhigen und hatten Zeit sich als neues Volk zu sammeln. In der Morgendämmerung des nächsten Tages stand der Schlußpunkt Ihres kleinen Ausflugs auf dem Programm. Versehen mit einer „komfortablen Terrasse“, die den Bienen den Abflug und die Landung beim Bienenstock erleichtert, wurden sie auf den neuen Standplatz gebracht, und sind nun schon wieder auf der Suche nach frischem Nektar aus der Südsteiermark.

neuer Bienenstock
Ein neuer Nachbar auf dem Bienenstand – der neue Bienenstock (ganz rechts) genießt die ersten Sonnenstrahlen eines wunderschönen Frühlingsmorgens in der Südsteiermark.

2 Idee über “Das geheimnisvolle Parfum der Bienenkönigin.

  1. Anita Schreiner sagt:

    Hallo lieber Wolfgang, liebe Astrid,
    da habt ihr ja wirklich mit euren Bienenvölkern was wunderbares geschaffen und das Einfangen von einem Bienenschwarm habe ich zum ersten Mal auf deinem Video gesehen. Ich freue mich, dass bei euch die Biodiversität gut funktioniert und ich stelle mir die Beschäftigung mit Bienen sehr beruhigend vor obwohl es sicher manchmal auch anstrengend ist.
    Ich hoffe, jetzt haben die Bienen mal genug ausgeschwärmt und gehen nicht fremd.
    Wünsche euch weiterhin viel Genuss und Erfolg.
    Ganz liebe Grüße
    Anita

  2. Isabella Gross sagt:

    Eure wunderbaren Bilder, Videos und Worte haben mich zum Staunen gebracht und ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Es ist so schön, zu sehen, mit wieviel Liebe, Behutsamkeit und Wertschätzung ihr euren Bienen begegnet.

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